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Werner Potzernheim Seine Karriere begann in einer Schrittmacherkabine Er ist heute noch der erfolgreichste Radsportler Niedersachsens auf der Bahn: Werner Potzernheim (RC Blau-Gelb Langenhagen). In seiner 25-jährigen Laufbahn als Amateur und Profi gewann er 15 deutsche Meisterschaften! Außerdem gewann er die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki, war Teilnehmer an allen Weltmeisterschaften zwischen 1951 und 1964; ein dritter und ein vierter Platz waren seine besten Platzierungen. Als Profi und Amateur siegte er bei den ,,Großen Preisen" von Aarhus, Odense, Paris -Werner Potzemheim: ,Da hatten wir 40.000 Zuschauer!" - in Basel, in Wagenem vor Arie van Vliet, in London vor Reg Harris und in Portsmouth. Bundespräsident Prof. Theodor Heuß verlieh ihm 1952 das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Auszeichnung für sportliche Leistungen im Bundesgebiet, der BDR zeichnete ihn mit der Goldenen Ehrennadel aus und sein Verein, der RC Blau-Gelb Langenhagen, ernannte ihn als Dank für seine Erfolge zum Ehrenmitglied. Sein Großvater, der bärtige Kapitän zur See, Lühe, weckte in ihm die Liebe zum Radsport. Opa Lühe, als junger Mann selbst Radsportler beim RV Endspurt Hamburg, besuchte Mitte der 30er Jahre mit ihm ein Steherrennen mit den damaligen Größen Lohmann und Metze. Von diesem Rennen war der achtjährige Werner Potzernheim so fasziniert, dass er für sich entschied, Radrennfahrer zu werden. Bereits 1937 fuhr er sein erstes Rennen. 1942 machte er als Norddeutscher Meister der Amateure im Einer-Streckenfahren auf sich aufmerksam. Seine Karriere entschied sich 1949. Werner Potzernheim: ,Wir fuhren damals mit dem Fahrrad zum Radrennen nach Hannover. Sonnabend war der ,Große Preis von Hannover" auf der Bahn am Pferdeturm, Sonntag das Straßenrennen ,Rund um die Ohe". Den Diamant-Bahn-Rahmen nahm ein Freund von mir mit und die Bahnreifen ebenfalls. Zur Überraschung aller gewann ich den Großen Preis vor den damaligen Experten Trost, Westerhold und Kaufmann. Ich fuhr ihnen einfach von der Spitze auf und davon!" Damit waren die Weichen gestellt: ,Potz" zog von Hamburg nach Hannover, denn in seiner Heimatstadt Hamburg gab es damals keine Radrennbahn mehr. In Hannover stand die Radrennbahn am Pferdeturm, hier war die Continental und es gab Freunde, die bereit waren, ihm vorwärts zu helfen. Der am 8. März 1927 in Hamburg geborene Werner Potzemheim zog also 1950 nach Hannover um. Zunächst wohnte er in einer Schrittmacherkabine unter der Radrennbahn, die ja entscheidend für den Ortswechsel war. Später zog er zu seinem Trainer Ernst Ostermeier, dem alten versierten Sprinterkönig, der in seiner aktiven Zeit wegen seines ungeheuren Antritts gefürchtet war. Er wurde zu seinem Lehrmeister. ,Damals war der Radsport ja nicht so wissenschaftlich erforscht wie heute", sagte ,,Potz," ,,aber Ernst Ostermeier war ein ausgekochter Bahnfahrer, der mir seine Tricks verriet." Als Berufsfahrer war Werner Potzemheim fast ganze Jahre unterwegs.,, Potz:" ,,Bereits im Februar hatte ich schon Verträge für 90 Rennen! Das heißt, meine Frau Gisela sah mich im Jahr höchstens drei Monate. In der übrigen Zeit bestand mein Leben aus Training, Reisen und Rennen. Dabei war es für mich schwer, als die Bahn am Pferdeturm abgerissen wurde, mein Können und meine Form ohne Trainingsstätte zu halten!" ,,Potz" war wegen seiner angenehmen, umgänglichen Art bei jedermann beliebt und galt bei seiner Konkurrenz als fairer Sportsmann. Nach seiner aktiven Zeit stellte sich Werner Potzernheim in Hannover und in Odense als Trainer zur Verfügung. Damals zählte in Hannover Klaus Peter Haupka, der heutige Präsident des Radsportverbandes Niedersachsen zu seinen besten Schülern. Die vielen Landesmeisterschaften und Erfolge auf der Bahn im Sprint und im Tandem, mit seinem Bruder Karl-Heinz, Rolf Biermann, Alex Peter und Helmut Richter beweisen es. Heute lebt Werner Potzernheim - wenn er sich nicht gerade in seinem Ferienhaus in Dänemark aufhält - in Arnum bei Hannover. Er hat zwei Hammondorgeln, macht Musik und bastelt gern. Drehen und Schnitzen sind seine Lieblingsbeschäftigungen. Natürlich kann er auch das Radfahren noch nicht lassen. 1990 hat er sich von seinen beruflichen Pflichten verabschiedet. Auf die Frage: , Würden Sie alles noch einmal so machen?" antwortet Werner Potzemheim: ,Ich habe im Radsport schöne Stunden erlebt, und irgendwie gehört Radsport zu meinem Leben. Talenten, die in die Weltspitze wollen, kann ich nur sagen" Ein eiserner Wille und Talent gehören dazu!" Als aufmerksamer Beobachter der Entwicklung sagt er auch: ,Die DDR hat in vielen Sportarten, besonders im Radsport, die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet, nach denen heute in aller Welt trainiert wird. Heute sehen das Muskel- und das Krafttraining ganz anders aus, als zu unserer Zeit. Das Material hat sich bedeutend verändert und die Bahnen sind schneller geworden. Aber ohne Talent läuft auch heute nichts!" Walter Euhus l Walter Klemp |